Schon ab einem Alter von vier Jahren werden Kinder in die Koranschule, eine sogenannte Daara, geschickt, um sie im Koran unterweisen zu lassen. Im Senegal operieren heute unter diesem religiösen Deckmantel viele Marabouts (Koranlehrer, Wunderheiler). Sie bringen die Kinder, meist aus den ländlichen Regionen und angrenzenden Ländern, in die großen Städte, wie Dakar.

Sind die Kinder erst einmal in der Abhängigkeit des Marabouts, werden sie als Talibé (Jünger) bis zu 14 Stunden täglich auf die Straße geschickt, um für den Marabout betteln zu gehen. Schöne Kleidung wird ihnen abgenommen und oft erhalten sie auch Schläge, wenn sie nicht genug erbettelt haben. Die Daaras bestehen meist nur aus einer einfachen Überdachung, die den Talibés auch nachts als Schlafgelegenheit dient, aber wenig Schutz bietet. Es gibt keine Waschmöglichkeit, kein Kleiderwaschen oder -wechseln und keine Kranken- oder Wundversorgung.

Weder erhalten die Jungen eine schulische oder berufliche Ausbildung, noch sehen sie ihre Eltern wieder. Viele Kinder sprechen nicht einmal die lokale Sprache. Herausgerissen aus der familiären Geborgenheit erleben diese Kinder ein Trauma, das sie seelisch zerstört. Sie werden einem System ausgesetzt, das sie zu Waisen, Analphabeten, Drogensüchtigen und Dieben macht. Nicht selten werden die Jungen missbraucht und sterben früh an Infektionen. Sobald sie älter und etwas ortskundig sind, versuchen viele wieder in ihr Land zurück zu kommen, oder laufen davon, um alleine auf der Straße zu leben.

Die Anzahl der Straßenkinder im Senegal ist schwer zu erfassen. UNICEF zufolge gibt es im Senegal allein 100.000 Talibés. Human Right Watch beziffert sie auf 50 000 Talibés. (zurück)

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